Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Illustration: Eva Feuchter

Dokumente

Übersicht der Anlaufstellen für Studierende
Roadmap Studierende.pdf (104,1 KB)  vom 22.01.2020

Übersicht der Anlaufsstellen für Mitarbeiter*innen
Roadmap Mitarbeitende.pdf (118,4 KB)  vom 22.01.2020

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Was kann ich tun, wenn etwas passiert ist?

Wer selbst einmal von Diskriminierung oder sexueller Belästigung und Gewalt betroffen ist, Zeug*in wird, wie jemand anderem etwas passiert, oder von einer betroffenen Person um Unterstützung gebeten wird, kann schnell Ratlosigkeit oder Überforderung empfinden. Daher haben wir auf dieser Seite einige nützliche Hinweise gesammelt, die in den jeweiligen Situationen hilfreich sein können.


Informationen für Betroffene

In der Situation selbst

  • Sagen Sie der Person deutlich, dass ihr Verhalten unerwünscht und unangebracht ist und welche Reaktion Sie sich wünschen – z.B. mit einer Aufforderung zur Unterlassung des Verhaltens und Einforderung einer Entschuldigung. Bleibt das Verhalten der Sie diskriminierenden oder sexuel belästigenden Person unwidersprochen, so besteht eine höhere Gefahr, dass die Person dieses Verhalten in Zukunft fortsetzt oder gar intensiviert. Sollte es in der Situation nicht gelingen, das unangebrachte Verhalten abzuweisen, kann dies auch später z.B. in schriftlicher Form nachgeholt werden (sofern die Kontaktdaten der Person bekannt sind).
  • Machen Sie Unbeteiligte auf die Situation aufmerksam.
  • Sprechen Sie mögliche Zeug*innen an und lassen Sie sich deren Kontaktdaten geben, damit Sie sie erreichen können, wenn Sie ihre Aussagen benötigen.
  • Es kann ggf. auch das Wachpersonal oder die Polizei alarmiert werden.

Im direkten Anschluss an die Situation

  • Begeben Sie sich an einen sicheren Ort und bleiben Sie nach Möglichkeit nicht allein. Kontaktieren Sie am besten eine Person, der Sie vertrauen und sprechen mit ihr über die Vorkommnisse.
  • Nehmen Sie sich und Ihre Gefühle ernst. Nicht Sie sind schuld, wenn jemand anderes Sie diskriminiert, belästigt oder Ihnen gegenüber Gewalt anwendet.
  • Fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an, um das Vorgefallene so genau wie möglich zu dokumentieren. Notieren Sie alle Fakten, die Ihnen einfallen: Datum, Uhrzeit, den genauen Ort, die beteiligten Personen (wenn die Namen nicht bekannt sind, können Personen beschrieben werden), was gesagt wurde und was getan wurde.
  • Heben Sie Beweismittel auf, falls es welche gibt (z.B. E-Mails, SMS).
  • Nach einem körperlichen Angriff sollten Fotos von Verletzungen, Schäden oder Verschmutzungen gemacht werden. Sie können einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und sich ein Attest ausstellen lassen, in dem alle Verletzungen aufgeführt sind. In der Opferambulanz des Universitätsklinikums können Verletzungen dokumentiert und DNA-Spuren sichergestellt werden. Diese werden aufgehoben und können später als Beweise verwendet werden, falls Sie sich entscheiden, eine Anzeige zu machen. Falls Sie sich gegen eine Anzeige entscheiden, werden die sichergestellten Spuren nach einer festgelegten Frist vernichtet. Die Aufbewahrungsfrist kann auf Antrag auch verlängert werden.

In der Zeit danach

Welche Folgen Diskriminierung oder sexuelle Belästigung und Gewalt für betroffene Personen hat, ist individuell und hängt davon ab, was geschehen ist. Es handelt sich aber stets um eine belastende Erfahrung, die viel Energie kosten und sich auf die Studier- und Arbeitsfähigkeit auswirken kann. Mögliche Folgen sind z.B.:

  • sich schlecht fühlen, neben sich stehen, unsicher sein, ob das, was passiert ist, wirklich sexuelle Belästigung oder Diskriminierung war
  • Sorge vor negativen Konsequenzen, Unglauben oder mangelndem Verständnis, wenn man erzählt, was passiert ist
  • Bei besonders gravierenden Erlebnissen können Erinnerungslücken auftreten, da sich die Psyche auf diese Weise vor stark belastenden Ereignissen schützt.
  • die Schuld für das, was passiert ist, bei sich selbst suchen
  • Enttäuschung darüber, dass man sich nicht ausreichend gewehrt hat (Menschen unterschätzen häufig, wie schwer es fallen kann, sich in einer akuten Situation zu wehren)
  • die erlebte Grenzüberschreitung als eigene zu hohe Empfindlichkeit relativieren

Sich anderen anzuvertrauen, kann daher sehr schwer fallen. Betroffene neigen dazu, die erlebte Diskriminierung oder sexuelle Belästigung zu verschweigen und weiteren Situationen dieser Art möglichst unauffällig  aus dem Weg zu gehen. Aus Sorge der belästigenden oder diskriminierenden Person erneut zu begegnen, können z.B. Lehrveranstaltungen und Prüfungen gemieden sowie der Wechsel von Betreuungspersonen oder der Hochschule in Betracht gezogen werden. Dies hat Auswirkungen auf den Studienverlauf und führt meist zu einer Verzögerung des Studienabschlusses. Die Tabuisierung des Geschehenen führt wiederum für Täter*innen dazu, dass ihr Fehlverhalten unsichtbar bleibt und sie nicht mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert werden. Dies kann mitunter auch dazu führen, dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass ihr Verhalten unangemessen ist. Für Betroffene kann das Erlebte jedoch belastenden Folgen haben, die nicht nur temporär auftreten. Zum Beispiel:

  • Schlafstörungen, Albträume
  • immer zu daran denken müssen, was passiert ist
  • sich krank fühlen, Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit
  • häufige Ängste und Bedrohungsgefühle
  • reduziertes Selbstvertrauen
  • Empfinden von Traurigkeit, Ekel oder Wut
  • gesteigerte/s Misstrauen, Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • geringere Leistungsfähigkeit & schlechtere Ergebnisse im Studium/ bei der Arbeit
  • Rückzug aus sozialen Aktivitäten und Isolation
  • Ablenkung durch erhöhte Aktivität sowie erhöhter Konsum von Alkohol oder Drogen

Je nach Schwere des Erlebten kann es auch zu langanhalten Belastungen, Traumatisierung, psychischen wie körperlichen Krankheiten sowie zum Studienabbruch oder Verlust des Arbeitsplatzes kommen, vor allem wenn das Erlebte nicht mithilfe geeigneter Unterstützung verarbeitet werden konnte. Daher ist es wichtig, mit dem Geschehenen nicht allein zu bleiben, sondern sich Unterstützung zu suchen. Um das Geschehene zu verarbeiten können folgende Dinge hilfreich sein:

  • Dinge tun, die guttun
  • sich Ruhe gönnen und nachsichtig mit sich selbst sein: Ihnen ist etwas belastendes widerfahren und es ist in Ordnung, wenn sie nicht wie eine Maschine funktionieren.
  • Sich Unterstützung oder Begleitung im Alltag suchen (z.B. durch Freund*innen)
  • Eine fachkundige Beratungsstelle aufsuchen
  • Einen Selbstbehauptungs- oder Selbstverteidigungskurs besuchen (z.B. beim Unisportzentrum)
  • Sich mit Menschen vernetzen und austauschen, die ähnliches erlebt haben (zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe); mit ihnen können z.B. Gefühle geteilt und zukünftige Reaktionen geübt werden
  • Sich selbst aktiv gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung engagieren – z.B. durch Anschluss an eine bestehende Gruppe oder durch Gründung einer neuen Gruppe
  • Sich therapeutische Unterstützung suchen, um das Erlebte zu verarbeiten.
  • Gegen die Person, die Sie diskriminiert oder belästigt, eine Beschwerde an der Universität einreichen
  • Bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft persönlich oder schriftlich eine Anzeige erstatten und ggf. einen Strafantrag stellen.
    Dies kann dazu führen, dass Täter*innen abgeschreckt und im besten Falle bestraft werden sowie dazu, dass das, was Ihnen passiert ist, Eingang in polizeiliche Statistiken findet. Dabei sollte aber beachtet werden, dass eine angezeigte Person in der Regel erfährt, wer sie angezeigt hat. Sie sind nicht verpflichtet Anzeige zu erstatten. Bei manchen Tatbeständen muss die Polizei auch ohne eine Anzeige Ermittlungen aufnehmen – z.B. bei gefährlicher Körperverletzung. Zur Aussage bei der Polizei sind Sie in der Regel nicht verpflichtet, es sei denn sie kommt einer Vorladung von der Staatsanwaltschaft gleich.

Übersicht zu Anlaufstellen

Übersicht Anlaufstellen für Studierende

Übersicht Anlaufstellen für Studierende

Übersicht Anlaufstellen für Studierende

Übersicht der Anlaufstellen für Studierende
Roadmap Studierende.pdf (104,1 KB)  vom 22.01.2020

Übersicht Anlaufstellen für Mitarbeiter*innen

Übersicht Anlaufstellen für Mitarbeiter*innen

Übersicht Anlaufstellen für Mitarbeiter*innen

Übersicht der Anlaufstellen für Mitarbeiter*innen
Roadmap Mitarbeitende.pdf (118,4 KB)  vom 22.01.2020

Informationen für Zeug*innen

  • Sehen Sie nicht weg, wenn Sie das Gefühl haben, jemand wird diskriminiert oder sexuell belästigt. Bleiben Sie stehen und machen Sie deutlich, dass Sie bemerken, was passiert.
  • Fragen Sie die betroffene Person, ob alles okay ist und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Geben Sie ihr Ihre Kontaktdaten, damit sie Sie später erreichen kann, falls sie das möchte. Sie können der betroffenen Person so helfen, das Erlebte als Verstoß gegen ihre Persönlichkeitsrechte einzuordnen.
  • Sprechen Sie ggf. die Person an, die sich diskriminierend oder belästigend verhält und signalisieren Sie ihr, dass ihr Verhalten unangemessen ist.
  • Stellen Sie sich bei Beschwerden oder Anklagen als Zeug*in zur Verfügung.
  • Handeln Sie stets nur im Einverständnis der betroffenen Person und denken Sie nicht, besser als die betroffene Person zu wissen, was diese braucht. Die Bedürfnisse der betroffenen Person sollten im Mittelpunkt stehen und Sie niemals Maßnahmen ergreifen, die nicht mit ihr abgesprochen sind.
  • Auch Sie können sich bei Beratungsstellen innerhalb oder außerhalb der Universität beraten lassen. Geben Sie dabei aber keine Informationen über die betroffene Person preis, wenn diese das nicht ausdrücklich wünscht.

Informationen, wenn eine betroffene Person Unterstützung bei Ihnen sucht

Unterstützung im Privaten (z.B. unter Freund*innen)

  • Hören Sie in Ruhe zu und versuchen Sie, das Gehörte nicht zu bewerten.
  • Wenn Ihnen eine betroffene Person erzählt, was ihr passiert ist, ist das ein Zeichen dafür, dass diese Person Ihnen vertraut. Es ist wichtig, dieses Vertrauen wertzuschätzen und mit dem, was Ihnen erzählt wurde, vertraulich umzugehen. Nehmen Sie die Person in allem, was sie erzählt, ernst.
  • Fragen Sie die Person, wie Sie sie unterstützen können und unternehmen Sie nichts, was sie nicht möchte. Sie können auch Ihre Hilfe anbieten und Vorschläge einbringen, aber akzeptieren Sie eine Ablehnung. Durch das, was der Person widerfahren ist, wurde ihre Selbstbestimmung verletzt, daher ist es besonders wichtig, dass die Schritte danach von einem selbstbestimmten Umgang geprägt sind.
  • Mögliche Unterstützungsformen können sein: Zuhören, Trösten, Begleitung zu Beratungsstellen, Unterstützung bei der Alltagsbewältigung oder Informationssuche. Unterstützung heißt vor allen Dingen, die betroffene Person in ihrem unsicheren Prozess zu begleiten und wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei gilt es, sich darauf einzulassen, dass man nicht immer gleich die richtige Lösung parat haben kann.
  • Passen Sie auch auf sich und Ihre Grenzen auf. Sie müssen nichts tun, bei dem es Ihnen selbst nicht gut geht.
  • Sie können sich auch als unterstützende Person bei Beratungsstellen innerhalb oder außerhalb der Universität beraten lassen. Geben Sie dabei aber keine Informationen über die betroffene Person preis, wenn diese das nicht ausdrücklich wünscht.

Unterstützung im beruflichen Kontext (z.B. als Lehrkraft)

  • Nehmen Sie die Person in allem, was sie erzählt, ernst und nehmen Sie sich Zeit für ihr Anliegen.
  • Machen Sie transparent, inwiefern das Gespräch vertraulich sein kann und wo Ihre Handlungspflichten liegen.
  • Klären Sie, welche Art der Unterstützung sich die Person von Ihnen wünscht. Dies sollte im Zentrum stehen. Unternehmen Sie nichts gegen den Willen der Person.
  • Überlegen Sie, ob Sie die richtige Anlaufstelle für das Anliegen sind und machen Sie transparent, wenn Sie es nicht sind. Es kann die ratsuchende Person sehr viel Überwindung kosten, zu erzählen, was geschehen ist, daher sollte vermieden werden, dass sie unnötig zu verschiedensten Stellen geschickt wird und dort erzählen muss, was geschehen ist.
  • Erkundigen Sie sich, welche Stelle zuständig ist und bieten Sie ggf. an, die ratsuchende Person zu dieser Stelle zu begleiten oder einen Termin für sie auszumachen. Eine Übersicht der Beratungs- und Unterstützungsstellen an der MLU und in der Region finden sie hier.
  • Geben Sie nur Informationen heraus, bei denen Sie sich sicher sind und machen Sie eigene Wissenslücken transparent. Sie können auch anbieten, sich bis zu einem nächsten Gesprächstermin die momentan fehlenden Informationen einzuholen.
  • Bieten Sie nach Möglichkeit weitere Gesprächstermine an.
  • Empfehlung: Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat einen lesenswerten Leitfaden "Beratung bei Diskriminierung: Erste Schritte und Weitervermittlung   " herausgegeben, der viele nützliche Informationen enthält.

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