Martin Luther University Halle-Wittenberg

Illustration: Eva Feuchter

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Online-Angebote

Auf dieser Seite sammeln wir Links zu aufgezeichneten Online-Angeboten zu Themen rund um Chancengleichheit und Diskriminierung, die an der Uni Halle stattgefunden haben und frei zugänglich im Internet sind.

Sie kennen ein weiteres Angebot, das hier noch nicht aufgelistet ist? Schreiben Sie uns gern eine Mail an:

Übersicht

Alltäglicher Sexismus, Street Harassment und die HollaBack!-Bewegung.

Vortrag von Julia Brilling. Dieser wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

Der Begriff Street Harassment umfasst sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum, das heißt auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Uni, im Café, in der Disko, in der Bibliothek – schlicht überall. Dazu zählen aufdringliche Blicke, ungewollte sexualisierte und/oder beleidigende Kommentare, Hinterherpfeifen, Hupen bis hin zum Bedrängen oder Grapschen.
Der Vortrag untersucht das Phänomen alltäglicher Belästigungen in öffentlichen Räumen anhand einiger Beispiele aus den Medien und verknüpft Formen alltäglicher Belästigungen mit Fragen von Körpernormen, Geschlechter-Stereotypen sowie Machtfragen und stellt die weltweite HollaBack!-Bewegung vor. Wir stellen auch einige Protagonist_innen der Bewegungen vor, die Strategien entwickelt haben, um sich gegen Street Harassment zur Wehr zur setzen.

Zur Person:

Julia Brilling hat 2011 gemeinsam mit Claudia Johann die erste deutsche HollaBack!-Seite gegründet. Sie hat einen Abschluss in Gender Studies von der Humboldt Universität Berlin und arbeitet bei einer politischen Stiftung als Referentin. Sie forscht und arbeitet zu veschiedenen Ismen, insbesondere Rassismus, Sexismus, Weißsein, Interdependenzen, Diversität und Post- kolonialismus.
HollaBack! Berlin ist Teil der weltweiten HollaBack!-Familie, einer feministischen Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alltägliche Belästigungen, sexuelle und sexualisierte Gewalt und Street Harassment zu bekämpfen. Hollaback! bietet eine Austausch- und Informationsplattform, auf der Erfahrungen mit und gegen alltäglichen Sexismus in all seinen Ausprägungen bekannt gemacht werden können. Im Fokus stehen dabei Empowerment, Vernetzung und die Möglichkeit, der eigenen Stimme im Kampf gegen Sexismus Gehör zu verschaffen. Mehr Informationen unter berlin.ihollaback.org   .

Link zur Audiodatei (MP3, 30:05 min, 27.5 MB)


Andere Sichtbarkeiten? Queering Hip Hop zwischen Repräsentation und Aneignung

Public Enemy Rapper Chuck D hat mal gesagt, Hip Hop sei the Black CNN. Nun hat dieses Schwarze CNN nach 30 Jahren Sendezeit zwar spielend die Reichweite des US-amerikanischen Nachrichtensenders überschritten, nicht aber dessen Fähigkeit zum Versprühen gesellschaftlicher Hegemonie. Hip Hop als solcher wird immer wieder für seinen angeblich inhärenten Sexismus und seine Homophobie kritisiert und zwar vor allem von weißen Medien.

Die Folie, vor der die scheinbare heterosexuelle Dominanz in der Hip Hop Kultur gechallenged wurde, war das Thema der Homophobie.

Das Bild vom „sexistischen und homophoben Hip Hop“ ist eng verknüpft mit der Projektion, Kulturen des Hip Hop würden lediglich aus Schwarzen, männlichen, heterosexuellen Körpern bestehen – ein Paradigma, das die Soziologin Tricia Rose als „highly visible commercialized rap“ bezeichnet. Die Matrix, die dieser Wahrnehmung zu Grunde liegt, ist eine des Weiss-Seins, welches die eigene Position innerhalb von Populärkultur nicht hinterfragt. Doch wird das reibungslose Kursieren von mit Hip Hop verbundenen, stereotypen Bildern immer wieder von Hip Hop Artists in Frage gestellt und seit einigen Jahren sogar empfindlich gestört: Hip Hop wird offiziell ge-queert. Dabei kommen Repräsentationsstrategien zum Einsatz, die zwischen Parodie und Selbstbehauptung andere Sichtbarkeiten anstreben. Der Vortrag wird einige Strategien queerer Artists vorstellen.

Link zur Audiodatei (MP3, 54:51 Min, 50,2MB)

Bei Sinnen bleiben – Zur Gegenwartsgeschichte des (Frauen-)Körpers

Vortrag von Prof. Dr. Barbara Duden. Dieser fand statt am 27. Januar 2011 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

In einem streitbaren Essay argumentierte Barbara Duden (2002) gegen die Forderung des Bundesverfassungsgerichts in der Entscheidung über den Schwangerschaftsabbruch (1993), den sinnträchtigen Menschen durch „ein Leben“ zu ersetzen. Sie wies darauf hin, dass das dem Urteil zugrundeliegende „Körperverständnis“ der Richter auf eine (unkritischen) Übernahme wissenschaftlich-technisch generierter „Tatsachen“ beruhte und auf deren Unkenntnis der Wirkmacht des neuen Mythologems „ein Leben“.

Im Vortrag wird der Einsatz des Rechtes als sozial normierende Instanz, am Beispiel des frühen und späten Schwangerschaftsabbruchs, Thema sein – allerdings hat sich die Zielrichtung der Rechtsprechung verschoben: heute geht es um die Freisetzung der Klientinnen in die Position eines selbstbestimmten Entscheidungsfinders. Die Frage, die  sich daran anschließt, zielt auf die reflexive Symbolmacht dessen, was durch Referenzen auf biomedizinische und verwaltungstechnische Begriffe heraufbeschworen wird. Wie wird das persönliche Selbstgefühl von Frauen (solchen die gerade als „schwanger“ diagnostiziert wurden und solchen, die hochschwanger sind) durch den Zwang zur „Selbstbestimmung“ und zur „Entscheidung“ untergraben?

Barbara Duden, Historikerin, arbeitete seit langem zur Geschichte der körperlichen (Selbst-)Wahrnehmung, vor allem von Frauen. Sie studierte die Umbrüche  zwischen dem somatischen Erleben im frühen 18. Jahrhundert, dem „entitativen Körper“ des Medizinsystems in ihrer Jugend und der Transformation des „Körpers“ von Frauen als Objekt biomedizinischer Forschung in den letzten Dekaden. Im Rahmen ihrer historischen Distanzierung von den Selbstverständlichkeiten der Gegenwart versuchte sie, sich öffentlich einzumischen: zur kränkenden Wirkung der Krebsprävention, zu den pathogenen Folgen des Trainings in Risiko-Bewusstsein, zu den bewusstseinschaffenden Routinen der  pränatalen Beratung, zur Hormonbehandlung – vor allem von älter werdenden Frauen – als Paradigma für ein neues Selbst-Management. In ihren öffentlichen Interventionen wollte Duden auf eine wachsende Gefahr aufmerksam machen: Frauen standen im Zentrum der Medikalisierung der Nachkriegs-Epoche; heute sind sie in Gefahr, die eigentlichen Opfer einer Vermarktung der Wahlmöglichkeiten, der Popularisierung von Risiko-Bewusstsein und des Bedürfnisses nach „Beratung zur Selbstbestimmung“ zu werden. Die ehemaligen Forderungen von Frauen – reproduktive Rechte – verkehren sich mit den Neuen Technologien in Forderungen an Frauen: die „Wahl“ zwischen den technisch und  professionell bereit gestellten Optionen.

Link zur Audio-Datei (MP3, 67 min, 64 MB)


Biolgogisches Geschlecht ist gemacht – und das in vielfältigen Ausformungen

Vortrag von Dr. Heinz-Jürgen Voß. Dieser fand statt am 21. Oktober 2010 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

Biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich hergestellt. Menschen werden in Gesellschaft hineingeboren und lernen in ihr; ihr Denk- und Sagbares ist damit durch Gesellschaft (u.a. Sprache) beschränkt. Das gilt auch für die Rede über „biologisches Geschlecht“.

Die Annahme ist zu verwerfen, dass „biologisches Geschlecht“ außerhalb von Gesellschaft betrachtbar wäre. Auch bzgl. „biologischen Geschlechts“ geht es um Theorien – und diese wandeln sich, u.a. nach gesellschaftlichen Erfordernissen. Das wird in diesem Input deutlich und soll zur Diskussion anregen: Unterschiedliche Theorien über „biologisches Geschlecht“ werden vorgestellt (historisch und aktuell). Deutlich wird, dass nicht nur Argumente der Differenz, sondern auch der Gleichheit zweier Geschlechter in diesen prominent vertreten waren und sind. Sichtbar wird auch, dass Auseinandersetzungen stattfanden und stattfinden, dass also zu keiner Zeit nur eine Sichtweise verbreitet war, sondern Vertreter (später auch Vertreterinnen) verschiedener biologisch-medizinischer Geschlechtertheorien miteinander diskutierten.

Herausgestellt wird für aktuelle biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, dass diese zunehmend zu  dem Ergebnis gelangen, dass sich als geschlechtlich betrachtete Merkmale individuell (und im Vergleich verschiedener Menschen: vielgestaltig) ausprägen. So werden mittlerweile biologisch viele Geschlechter denkbar, statt nur zwei oder drei.

Link zur Audio-Datei (MP3, 64 min, 62 MB)


Das ist doch krank – Psychopathologisierung als Normalisierungsmechanismus


Der gesellschaftliche Blick auf Prostitution: Zwischen „Sexarbeit“ und „Ausbeutung“


Doing Gender, Doing Whiteness, Doing TAB – Queer im Fokus intersektionaler Kritik


Fat Acceptance und Feminismus. Vortrag von Judith Schreier


Heteronormativitätskritische Filmbildung. Vortrag von Julia Bader

Vortrag von Julia Bader. Dieser fand statt am 06. Dezember 2012 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang versäumt, queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Mit dem Konzept der heteronormativitätskritischen Filmbildung können medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, was sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung empfiehlt. In dem Vortrag wird das Konzept der heteronormativitäts-kritischen Filmbildung vorgestellt, das eine veränderte Herangehensweise an das Medium Film ermöglicht: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können.

Link zur Audiodatei (MP3, 29:00 min, 22,6 MB)



How does it feel to grow up as a transgender child?

Vortrag von Zohar Lioz-Aviv. Dieser fand statt am 23. April 2020 im Rahmen des Semesterprogramms der Hochschullernwerkstatt Erziehungswissenschaften.

Zohar Lioz-Aviv is a musician and music teacher from Tel Aviv. In his workshop he will share some of his personal childhood experiences and will explain, how it felt to grow up as a child experiencing gender dysphoria, in the 90’s, when there was very little awareness and knowledge about the subject. He will give an outlook about the things, we as parents, teachers, friends can do in order to support these children and help them to be loyal to themselves and happy with their truth.

Link zum Video    (YouTube, 42 min)


Intersektionalität und queere Pädagogik – eine Verhältnisbestimmung.

Intersektionalität steht als relativ neues Forschungsparadigma im Bereich der sozialen Ungleichheitsforschung in enger Verwandtschaft zur queer theory: beide erheben den Anspruch, multiple und konfligierende Kategorisierungsprozesse zu analysieren. Die Frage nach Verbindungen und Trennungen und schließlich nach dem Potential, das beide Ansätze füreinander entwickeln können, soll genauso erörtert werden, wie der Stellenwert von Intersektionalität für eine (queer verstandene) Pädagogik, die unter anderem Normierung und Normalisierung als zentrale Kategorien zu bearbeiten sucht.

Link zur Audiodatei (MP3, 73:37 min, 67,3 MB)


Interview: Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung, Referent für Inklusion und Familienbüro der MLU

Interview mit Sabine Wöller (Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung, Dr. Christfried Rausch (Referent für Inklusion), Dr. Andrea Ritschel (Familienbüro) im Rahmen des virtuellen Hochschulinformationstages. Dieses fand statt am 28. Mai 2020.

Studieren mit Kind, mit chronischen Krankheiten/Behinderungen oder mit der Angst vor Diskriminierung? An der Uni Halle ist das alles kein Problem. Die Mitarbeiter*innen der Stabsstelle für Vielfalt und Chancengleichheit stellen Ihre Angebote vor und beraten Sie gern.

Link zum Video    (YouTube, 25 min)


It's all (about) queer. Eine Einführung

Vortrag von Klemens Ketelhut. Dieser fand statt am 01. November 2012 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Begrifflich hat queer eine lange Reise hinter sich. Einst als (mehr oder weniger beleidigende) Bezeichnung für Homosexuelle gebraucht, findet sich queer heute im Zusammenhang politischer Interventionen, akademischer Studienprogramme und Publikationsreihen. Die aktuelle Kritik, die queer formuliert, beginnt bei der Analyse von gender und desire und nimmt vor allem normalisierende Prozesse und Fragen nach Identität in den Blick.
Dem eigenen Anspruch nach ist queer verunsichernd und veruneindeutigend, sowohl was den theoretischen als auch den politischen Handlungsbereich angeht.
Um mich dem „Projekt queer“ dennoch zu nähern, werde ich den Vortrag aus zwei Perspektiven anlegen: zum einen werde ich anhand der Frage nach politischen Interventionen im Namen bestimmter Identitätsgruppen die Vorläufer von queer vorstellen und eruieren, welche Entwicklungen als konstitutiv für den „queer moment“ rekonstruiert werden können. Zum anderen werde ich anhand ausgewählter theoretischer Zugänge skizzieren, welche analytischen Möglichkeiten dem queeren Denken innewohnen.

Der Vortrag ist einführend angelegt.

Zur Person:

Klemens Ketelhut, M.A., Heilerziehungspfleger, studierte Ökonomie, Soziologie und Rehabilitationspädagogik und arbeitet seit 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Institut für Pädagogik. Mitbegründer von que(e)r_einsteigen. Forschungsschwerpunkte: Historische Bildungsforschung sowie aktuelle Fragen der Gender- und Queerstudies.

Link zur Audio-Datei (MP3, 51 min, 49 MB)


Konstruktiv dekonstruktiv. lsbt und queer in der Aufklärungs- und Bildungsarbeitkonstruktiv


Körper, DNA, Herkunft: Die Konstruktion von Rasse und Ethnizität in neuen populationsgenetischen Verfahren

Vortrag von Dr. Katharina Schramm. Dieser fand statt am 13. Januar 2011 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

Nachdem in Biologie und Politik lange Zeit von der genetischen Einheit der Menschheit die Rede war, lässt sich seit der Entschlüsselung des Genoms 2000 eine zunehmende Faszination mit Differenz konstatieren. Dabei wird einerseits das Individuum in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, andererseits wird auf dessen genetische Gruppenzugehörigkeit verwiesen. Hier erfahren biologische Konzeptionen von ‚Rasse‘ und ‚Ethnizität‘ eine ungeahnte Renaissance, die ich im Rahmen meines Vortrages anhand der populären Praxis des Genetic Ancestry Testing kritisch diskutieren möchte.

Besonders signifikant ist dieses Verfahren im Diaspora-Kontext, wenn hohes emotionales Gewicht auf eine ursprüngliche Herkunft oder Heimatbindung gelegt wird, oftmals aber Unwissen oder Unsicherheit darüber herrschen. Der Herkunftstest verspricht hier genauere Informationen; es handelt sich um eine Art Identitäts-Versicherung auf molekularem Niveau. Der Versuch, symbolische in biologische Verwandtschaft umzuwandeln bzw. eine symbolische Verbindung biologisch zu begründen, wie er im Genetic Ancestry Testing zum Ausdruck kommt, kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist auf vielfältige Weise in weiter reichende (und historisch gewachsene) Identitätskonstruktionen eingebunden. So basierte die Definition von ‚Rasse‘ und ‚Ethnizität‘ stets auf einem Konglomerat biologischer, politischer und historischer Zuschreibungen. Dennoch markiert die  Substanzialisierung von Beziehungen auf genetischem Niveau, wie sie im Ancestry Testing zum Ausdruck kommt, eine qualitative Differenz zu bisherigen Entwicklungen, da sie Biologie in Verbindung mit Technologie zum Fundament kultureller Identität erklärt und die Naturwissenschaft zum Garanten sozialer Beziehungen erklärt. Diesen Zusammenhang gilt es folglich näher auszuloten.

Link zur Audio-Datei (MP3, 42 min, 41 MB)


Körpermodifikationen in BDSM und queerer Kultur – Kritische Gedanken zur Ethnisierung der Ästhetik und der Rassialisierung des Körpers.


Liebe ist… Artikulationen von Unbestimmtheit(en)


Männlichkeitsentwürfe und (Hetero-)Sexismus im deutschsprachigen Rap

Vortrag der Rapper*innen Sookee & Refpolk. Dieser fand statt am 20. April 2013 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Link zur Audio-Datei (MP3, 120 min, 116 MB)


„Maskulismus“ – organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum

Vortrag von Andreas Kemper. Dieser fand statt am 17. Januar 2013 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Seit zehn Jahren organisiert sich im deutschsprachigen Raum vorwiegend im Internet ein neuer moderner Antifeminismus. Die Protagonist_innen – hauptsächlich Männer – arbeiten an einer „männerrechtlichen/maskulistischen“ Ideologie, nutzen aber vorwiegend  den Antifeminismus als Vereinigungsideologie (Hinrich Rosenbrock). Seit  zwei Jahren finden neben den Internetaktivitäten auch Antifeminismus-Kongresse in der Schweiz und Männerrechtskongresse an der Uni Düsseldorf statt. Spätestens seit dem Anschlag von Anders Behring Breivik in Norwegen versucht sich ein Teil der Maskulisten um den Publizisten Arne Hoffmann vom rechtspopulistischen Maskulismus abzuheben, indem eine „linke Männerpolitik“ propagiert wird, die in ihrem Kern allerdings anti-emanzipatorisch bleibt und die seit über dreißig Jahren bestehende profeministisch bzw. geschlechterdemokratisch ausgerichtete Männerbewegung ignoriert. Maskulisten dominieren die Kommentarseiten der Online-Auftritte von Tageszeitungen und Wochenmagazinen. Sie stellen als feministisch ausgemachte Journalist_innen, Wissenschaftler_innen und Politiker_innen im Internet an den Pranger und organisieren das Veröffentlichen von Frauenhausadressen, die sie als „Horte des Männerhasses“ bezeichnen. Im August 2012 reagierte Wikipedia auf eine maskulinistische Kampagne gegen Autorinnen.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Männerrechtsszene und lädt  ein, den Umgang mit den Methoden des modernen Antifeminismus zu diskutieren.

Zur Person:

Andreas Kemper, Soziologe, war in den 1990er Jahren in der Männerbewegung, -therapie, -forschung aktiv. Seit 2000 theoretische und  praktische Arbeiten gegen Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft. Seit 2005 aktiv bei Wikipedia zum Themenbereich Diskriminierung.

Link zur Audio-Datei (MP3, 53 min, 51 MB)


Mein Ein und Alles? Zur (De)Konstruktion romantischer Liebe

Vortrag von Gesa Meyer. Dieser fand im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

„Sind zwei zuviel, um frei zu sein? Oder brauch‘ ich Dich, um ich zu sein?“ So fragte einst die Musikgruppe Blumfeld* – und ist mit derlei Zweifeln sicher nicht allein. Wobei zumindest aus Perspektive des romantischen Liebesentwurfs die erste Frage klar zu verneinen, die zweite hingegen entschieden zu bejahen wäre – sofern es sich bei der/dem Angesungenen auch wirklich um die Richtige bzw. den Einen handelt. Denn erstens gelten dem Diskurs der romantischen Liebe „zwei“ als exakt die geeignete Anzahl, um ein – in der Regel heterosexuelles – Paar zu konstituieren, das gemeinsam den Zumutungen und Banalitäten des Alltags zu entfliehen vermöge und sich dabei, von schicksalshaft-leidenschaftlicher Anziehung beflügelt, auch über die eine oder andere gesellschaftliche Konvention hinwegsetzen könne. Und zweitens seien wahre Ich-Identität und Selbstverwirklichung nur in (dem Streben nach) Verbindung bzw. Verschmelzung mit dem/der Liebsten zu haben, durch die ich und mein kleines Leben erst vollständig und glanzvoll werden. Dieser romantischen Erzählung des Sich-Findens in Komplementarität scheint ein Glücksversprechen innezuwohnen, das allen feministischen, kapitalismus-, hetero- und mono-normativitäts-kritischen Einwänden, allen Klagen über die gegenwärtige Verkitschung, Kommerzialisierung und Trivialisierung des ‚ursprünglichen‘ Romantik-Konzepts sowie allen aktuelleren sozialwissenschaftlichen Studien, die das Ideal ewiger Treue als in der Praxis kaum tragfähig ausweisen, zu trotzen imstande ist.
Der Vortrag begibt sich auf einen skeptischen Streifzug durch die Konstruktionsprinzipien, Verheißungen und (Droh-)Kulissen romantischer Liebe und zeigt, dass diese nicht nur tragende Säulen gesellschaftlicher Mono-Normativität bilden, sondern dass sie sich auch – teils geringfügig modifiziert, teils in subversiv-aneignender Neubestimmung – in manchen Beziehungsskripten der Polyamory wiederfinden. Dabei wird deutlich, dass die Denkfiguren der Dichotomie, des Mangels und der Tiefe sowohl Anhaltspunkte für eine Erklärung der Wirkmächtigkeit der Romantik als auch für ihre Dekonstruktion bieten.

* Textzeile aus dem Blumfeld-Stück Von der Unmöglichkeit „Nein“ zu sagen, ohne sich umzubringen, erschienen auf dem Album Ich-Maschine (1992).

Zur Person:
Gesa Mayer ist Dipl.-Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Für ihr Dissertationsprojekt forscht sie zu Beziehungs- und Begehrenskonzepten dies- und jenseits der Monogamie-Norm.

Link zur Audiodatei (MP3, 1:21 Std., 74,8MB)


Mit Vielfalt zum Erfolg. Wie Diversität die Hochschulen bereichert

Die Podiumsdiskussion fand statt am 08. Februar 2017 und wurde organisiert vom Arbeitskreis Inklusion des Studierendenrates.

Diskutierende:

  • Prof. Dr. Armin Willingmann (Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt)
  • Dr. Andreas Keller (Leiter des Organisationsbereichs Hochschule und Forschung / stellv. Vorsitzender der GEW)
  • Dr. René Krempkow (Hochschulforscher, wissenschaftlicher Referent im Bereich „Programm und Förderung“ beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft)
  • Prof. Dr. Wolfgang Auhagen (Prorektor Struktur und Entwicklung der MLU)
  • Katja Urbatsch (Gründerin und Geschäftsführerin von ArbeiterKind.de, Universität Gießen)

Moderation: Dr. Katja Pähle (Vorsitzende des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie Mitteldeutschland e.V.)

Link zum Youtube-Video   


MonoPoly: Monogamie-Norm und Polyamory auf dem Spielfeld der Besitzansprüche, der Aushandlungsprozesse und des Bekanntgehens

Vortrag von Gesa Mayer und Robin Bauer. Dieser fand statt am 01. Dezember 2011 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

„Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende…“ Das selbstverständlich zu zweit und in aller Regel auch heterosexuell. Das Lebenskonzept der monogamen Zweierbeziehung ist weit verbreitet und wird nur selten infrage gestellt, obwohl man angesichts der hohen Zahl von sogenannten Seitensprüngen in angeblich monogamen Beziehungen von einer Doppelmoral sprechen muss. Doch nicht nur Heterosexuelle sehen in dieser Art des Zusammenlebens oftmals den einzig „richtigen“ Weg, glücklich zu werden. Auch viele lesbischwule Menschen reproduzieren die scheinbar selbstverständliche Idee der romantischen Zweierbeziehung, wie beispielsweise die Verlagerung des Schwerpunkts schwul-lesbischer Politik auf die Forderung der „Homo-Ehe“ in den 1990er Jahren  verdeutlicht. Zwar ist die sogenannte offene Beziehung in Teilen der schwulen Subkultur eher die Norm als sexuelle Exklusivität, diese stellt jedoch die Vorstellung, es gebe den einen richtigen Partner, kaum  infrage.

Auf der Grundlage ihrer empirischen Forschung stellen Gesa Mayer und Robin Bauer in ihren Vorträgen der Norm der Monogamie die Vielfalt der in unserer Gesellschaft tatsächlich gelebten Beziehungsformen entgegen. Sie zeigen, dass die Monogamie-Norm maßgeblich auf einer Logik des Mangels und der Konkurrenz basiert, und wie einige Bestandteile der Norm auch im Leben von Polyamorist_innen gleichzeitig wirkungsmächtig bleiben und unterwandert werden. So zeichnen sie ein realistisches Bild der Möglichkeiten und Grenzen alternativer Beziehungskonzepte jenseits der Logik von „Mangel-Erscheinungen“ und „heimlichen Affären“.

Link zur Audio-Datei (MP3, 67 min, 64 MB)


Normalabweichungen. Warum es normal ist, dass es Abweichungen von der Norm gibt

Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Bröckling. Dieser fand statt am 23. Oktober 2008 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen.

Soziale Normen reglementieren, indem sie festlegen, was Menschen tun und lassen sollen. Statistisch erfasste Normalitäten geben an, was Menschen tatsächlich tun und lassen. Soziale Normen schaffen Erwartbarkeit durch Regeln, die alle kennen und anerkennen (auch wenn sie sie im Einzelfall brechen); Normalität schafft Erwartbarkeit durch Orientierung an Häufigkeitsverteilungen. Beide produzieren diskursiv Wirklichkeiten und Identitäten. Mit der zunehmenden Verdatung der Gesellschaften, abzulesen an den inflationären Meinungsumfragen, psychologischen Tests,  Evaluationen usw., gewinnt die Orientierung am statistisch Normalen ein immer größeres Gewicht. Normalität wird selbst zu einer sozialen Norm zweiter Ordnung. Wir leben im Zeitalter des Normalismus. Weil alle wissen, was in einem bestimmten Bereich als normal gilt, versuchen alle ihr Verhalten danach auszurichten. Umgekehrt ist Denormalisierungsangst, die Sorge aus der Zone der Normalität herauszufallen, vielleicht die Grundangst der Moderne. Oder hat sich das Verhältnis heute umgekehrt: Ist die Abweichung von der Normalität inzwischen selbst zur sozialen Norm geworden? Ist „Otto Normalabweicher“ (Jürgen Kaube) die Leitfigur der Gegenwart?

Link zur Audio-Datei (MP3, 46 min, 44 MB)


Orientierung: Das Gleichstellungsbüro stellt sich vor

Während der zentralen Orientierungswoche der Uni Halle stellen sich Referent*innen verschiedener Projekte und Servicestellen für Chancengleichheit und Antidiskriminierung der Uni Halle vor. Dieser Beitrag wurde am 19. Oktober 2020 veröffentlicht.

Du interessierst dich für Fördermöglichkeiten von Frauen?  Bei Belangen rund um das Thema Gleichstellung kannst du dich an das Gleichstellungsbüro wenden. Hier erhältst du Informationen, Beratung und Unterstützung.  Hast du Fragen oder möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann bist du hier richtig: https://www.gleichstellung.uni-halle.de/

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Orientierung: Die Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung stellt sich vor

Während der zentralen Orientierungswoche der Uni Halle stellen sich Referent*innen verschiedener Projekte und Servicestellen für Chancengleichheit und Antidiskriminierung der Uni Halle vor. Dieser Beitrag wurde am 19. Oktober 2020 veröffentlicht.

In Fällen von Diskriminierung,  sexueller Belästigung oder bei Problemen am Studien- oder Arbeitsplatz hilft dir die Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung weiter. Du kannst dich an die Präventionsstelle wenden, wenn du Handlungsbedarfe siehst, von einem Diskrimierungsfall bzw. sexueller Belästigung erfahren hast oder selbst betroffen bist.   Hast du Fragen oder möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann bist du hier richtig:
https://diskriminierungsschutz.uni-halle.de/

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Orientierung: Das Projekt gender*bildet stellt sich vor

Während der zentralen Orientierungswoche der Uni Halle stellen sich Referent*innen verschiedener Projekte und Servicestellen für Chancengleichheit und Antidiskriminierung der Uni Halle vor. Dieser Beitrag wurde am 19. Oktober 2020 veröffentlicht.

Das Projekt gender*bildet fördert die Auseinandersetzung mit geschlechtsbezogenen Ungleichheiten in der Lehre und in der Wissenschaft und bietet ein begleitendes Studienprogramm für alle Studiengänge.   Hast du Fragen oder möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann bist du hier richtig:

https://www.gleichstellung.uni-halle.de/aufgaben___aktivitaeten/gender.bildet/

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Orientierung: Studieren mit Behinderung

Während der zentralen Orientierungswoche der Uni Halle stellen sich Referent*innen verschiedener Projekte und Servicestellen für Chancengleichheit und Antidiskriminierung der Uni Halle vor. Dieser Beitrag wurde am 19. Oktober 2020 veröffentlicht.

Du hast Fragen zu Beratungs- und Unterstützungsangebote für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung? Als Ansprechpartner steht dir der Referent für Inklusion  zum Thema Studieren mit Handicap zur Verfügung.   Hast du Fragen oder möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann bist du hier richtig: https://www.inklusion.uni-halle.de/

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Orientierung: Studieren mit Kind(ern)

Während der zentralen Orientierungswoche der Uni Halle stellen sich Referent*innen verschiedener Projekte und Servicestellen für Chancengleichheit und Antidiskriminierung der Uni Halle vor. Dieser Beitrag wurde am 19. Oktober 2020 veröffentlicht.

Du bist bereits Mama oder Papa? Du fragst dich, ob sich ein Studium und Elternschaft gut vereinbaren lassen? Mit dem Familienbüro gibt es eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Familie und Studium.   Hast du Fragen oder möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann bist du hier richtig: https://www.uni-halle.de/familiengerecht/

Link zum Youtube Video   


Postkoloniale feministische Kritik und transnationale Feminismen


Queere Interdependenzen statt Intersektionalität


Rassifizierung + Behinderung geteilt durch Sexualität = hä?


„Reclaiming the F-Word“ – Strategien im Kampf gegen Gewichtsdiskriminierung


Same same, but different?! Institutionen der Wissenschaft in Zeiten von #MeToo

Kurzvortrag und Gespräch mit Mithu M. Sanyal und Sabine Wöller. Diese Veranstaltung fand statt im Rahmen der Themenwoche #MeToo in der Wissenschaft?! am 06. Oktober 2020.

Wir möchten einen Blick raus aus den Wissenschaftsinstitutionen werfen und sexualisierte  Gewalt und Machtverhältnisse im gesamtgesellschaftlichen Kontext  fokussieren. Dass Phänomene und Probleme des Wissenschaftsbetriebes Teil  gesamtgesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse und  vergeschlechtlichter Machtstrukturen sind, wird die Autorin und  Journalistin Mithu M. Sanyal in einen kurzen inhaltlichen Vortrag darlegen  und dabei auch den Fragen nachgehen: Was meint „Nein heißt Nein“ und „Ja  heißt Ja“ wirklich, und was bedeutet Konsens? Über Möglichkeiten der  Präventionsarbeit und Sensibilisierung spricht sie in einem  anschließenden Dialoggespräch mit Sabine Wöller, Projektkoordinatorin  der Präventionsstelle Diskriminierung und sexuelle Belästigung der  Martin-Luther-Universität. Außerdem laden die Veranstalter*innen der  Themenwoche zur gemeinsamen inhaltlichen Reflexion der Workshops und  Gesprächsrunden der vergangenen Woche ein.

Zur Person:

Mithu Sanyal ist  Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin. 2009 erschien ihre  Kulturgeschichte des weiblichen Genitals „Vulva“ (Wagenbach), 2016  erschien ihre Debattengeschichte „Vergewaltigung. Aspekte eines  Verbrechens“ (Nautilus.)

Link zum Audio-Mitschnitt    (YouTube)


Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face

Vortrag von Sabine Mohamed. Dieser fand statt am 15. Januar 2015 und wurde organisiert vom Arbeitskreis que(e)r_einsteigen.

«Das, was wir jetzt Community nennen, war wie ein Zug, der immer länger und schneller wurde und nicht mehr so einfach in eine Richtung zu steuern war.» (Piesche 2012: 25)

Schwarze lesbische Aktivistinnen haben in den achtziger Jahren eine zentrale Rolle in der Formierung einer Schwarzen Bewegung und des Schwarzen Feminismus in Deutschland eingenommen. Sie stellten nicht nur die Frage nach einer community (Gemeinschaft), sondern auch das Konzept einer globalen Schwesternschaft in Frage. Gleichwohl prägte die amerikanische «black feminism» Bewegung und Theorieproduktion den Diskurs innerhalb des Schwarzen Feminismus in Deutschland. Darunter zählt vor allem der Austausch mit Audre Lorde und die Beschäftigung mit afroamerikanischen Denkfiguren wie bell hooks, Patricia Hill Collins und Angela Davis.
Dennoch läuft das Konzept einer globalen Schwesternschaft Gefahr die Kategorie «Frau» als normativen und partikularen Charakter zu repräsentieren. Tatsächlich werden die unterschiedlichen Lebensrealitäten zu einem Hintergrundrauschen. Die Verschränkungen von sozialen und strukturellen Ungleichverhältnissen in einem rassistischen System werden dabei übersehen. «Black Feminism is not white feminism in Black face» (Audre Lorde), die Kritik von Schwarzen an weiße Feministinnen war eben jenes Festhalten an einem feministischen Narrativ «der weißen Frau» als universelle Kategorie. Darüber hinaus hat Schwarzes feministisches Denken auch das Wissensarchiv bereichert, indem es das systematische Nicht-Wahrnehmen von marginalisierten Geschichten Schwarzen Lebens in der Republik wieder sichtbar(er) gemacht hat.
Der Vortrag wird folgende Aspekte diskutieren: den Schwarzen Feminismus in Deutschland, den Einfluss des «black feminism» aus den USA auf die deutsche Bewegung sowie auf die Frage wie feministische Bündnisse zwischen Schwarzen und weißen Feminist_innen aussehen können, um einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Zur Person:

Sabine Mohamed ist seit Oktober 2014 Doktorandin am Max-Planck-Institut zur Erforschung multiethnischer und multireligiöser Gesellschaften in Göttingen. Sie studierte Politische Wissenschaft, Islamwissenschaft und Ethnologie in Heidelberg, volontierte bei der Neuen Zürcher Zeitung in Zürich und ist Autorin auf dem größten deutschsprachigen feministischen Gemeinschaftsblog Mädchenmannschaft. Sie bloggt über feministische, queere und anti-rassistische Themen.

Link zur Audiodatei (MP3, 44:23 Min, 50,8MB)


Sexualisierte Diskriminierung & Gewalt an Wissenschaftsinstitutionen. Prävalenz, Formen & Auswirkungen eines globalen Phänomens

Vortrag von Dr. Heike Pantelmann. Dieser fand statt am 28.10.2020 in der Themewoche #MeToo in der Wissenschaft?!.

Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt kommt in allen gesellschaftlichen Bereichen vor. Auch und gerade Wissenschaftsinstitutionen als Studien- und Arbeitsorte mit einer hierarchischen, von Abhängigkeiten geprägten Struktur sind nicht frei von solchen Übergriffen. Solche Vorkommnisse werden jedoch häufig negiert, da sich die Institutionen selbst als weitestgehend  diskriminierungsfreie Orte der Forschung, Lehre und kritischen Reflektion verstehen. Gerade deswegen fällt eine Thematisierung und Sichtbarmachung des Problems schwer. Um das Phänomen besser verstehen und bekämpfen zu können, ist eine Untersuchung des spezifischen Kontexts der Organisation und ihrer Funktionsweisen notwendig. Das transnationale Forschungsprojekt „Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt im Hochschulkontext“ erforscht Prävalenz, Formen und Auswirkungen von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung  und Gewalt im Hochschulkontext sowie strukturelle Implikationen. Dazu kooperiert das Margherita von Brentano Zentrum der Freien Universität Berlin mit Partneruniversitäten aus Costa Rica, Ecuador, Indien, Japan, Kolumbien, Mexiko, Peru und Südkorea. Neben den jeweiligen nationalen Kontexten soll im Rahmen der Forschungskooperation sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen insbesondere auch als globales Phänomen in den Blick genommen werden. An allen Partneruniversitäten werden Umfragen zum Thema durchgeführt und die Ergebnisse in regelmäßigen Projekttreffen diskutiert. Anliegen des Projekts ist es auch die Sichtbarkeit des Themas an der Universität zu erhöhen. Der Vortrag gibt Einblicke in das Themenfeld des Forschungsprojektes: Welche Prävalenz, Formen und Auswirkungen von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt gibt? Welche gesellschaftlichen und organisationalen Handlungsoptionen und Herausforderungen bestehen?

Dr. Heike Pantelmann  ist Geschäftsführerin des Margherita von Brentano Zentrums (MvBZ) der  Freien Universität Berlin (seit 2019), Frauenbeauftragte des MvBZ (seit  2015) und Mitglied des Frauenrates der FU Berlin (seit 2015). Ihre  Arbeitsschwerpunkte sind Gender, Diversity und Diversity Management;  Geschlechterverhältnisse, Macht und Herrschaft in Organisationen sowie  sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt im  Hochschulkontext.

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Sex und Nicht/Behinderung? „Queer Theory meets Disability Studies“


Sex und Staat – Warum interessiert sich der Staat für unsere Weichteile?

Vortrag von Prof. Dr. Rebecca Pates. Dieser fand statt am 20. November 2008 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Geschlecht bezeichnet (auch) ein System an Unterscheidungen (Frauen mögen Kinder, Männer Autos; Frauen sind zickig, Männer haben schlechte Laune usw.), durch welche eine gewisse Ordnung geschaffen wird. Diese Ordnung bestimmt unsere Wahrnehmungen und unseren Alltag und ist relativ stabil. Sie lässt sich insbesondere dann schwer ändern, wenn sie institutionalisiert ist: das Geschlecht eines Menschen wird immer auch in Ausweisen genannt. Warum und welche Folgen dies hat, soll hier anhand von Beispielen aus der Rechtswirklichkeit (Heteronormativität und Intersexualität) analysiert werden.

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Trans Geschichte. Jahrhunderte des Widerstandes

Vortrag von alma Roggenbuck. Dieser fand statt am 15. Mai 2020 im Rahmen des FEMINISMEN Festivals Online Edition.

Wir sind kein Trend, kein vorübergehendes Phänomen, keine Instagram-Seuche. Geschichten von denen, die schon da waren, bevor es nur noch zwei Geschlechter gab, und denen, die kämpfen, bis es uns geben darf. Weil Zukunft Erinnerung braucht, und weil es verdammt viele verdammt coole trans Leute gab. Weil unsere Geschichte kennenzulernen bedeutet, unsere Existenz anzuerkennen.

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Unentscheidbarkeit und Geschlecht. Die Stimme des Poststrukturalismus in der Queer Theorie


Unlikely Couples? Queere Inszenierungsstrategien und maskulinistische Musik-Subkulturen


Über die Erfindung des Gleichheits- und Differenzfeminismus

Vortrag von Dr. des. Cornelia Möser. Dieser fand statt am 15. November 2012 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Differenz- und Gleichheitsfeminismus sind zentrale Kategorien für das Erzählen der Geschichte feministischen Denkens. Durch eine historisierende Dekonstruktion, welche einer Reihe ausgewählter theoretischer Wanderungsprozesse nachgeht, soll die Entstehung dieses Antagonismus zunächst nachgezeichnet und schließlich kritisiert werden. Dabei werden vor allem die produktiven Aspekte von theoretischen Wanderungen und kulturellen Übersetzungsprozessen eine Rolle spielen. Maßgeblich im Dreieck Frankreich, USA und Deutschland haben sich im Zuge mehrerer zum Teil überkreuzter Rezeptionsprozesse Narrative über  feministische Theorie entwickelt, welche die tatsächlichen Antagonismen, Konflikt- und Spannungslinien nicht zu erzählen helfen, sondern stattdessen vielmehr verschleiern. Vor allem die Schriften von Simone de Beauvoir, Luce Irigaray, Monique Wittig, aber auch Judith Butler spielen für diese theoretischen Wanderungs- und Rezeptionsprozesse eine zentrale Rolle. Kontrastiert werden sollen diese Analysen mit der Frage nach der Bedeutung globalisierter Wissensproduktion für mindestens ehemals emanzipatorische Theorie- und Kritikgebäude. Welches sind die heute wirkmächtigen Kriterien, denen sich eine institutionalisierte queerfeministische Forschung unterwerfen muss? Welches könnten alternative Formen emanzipatorischer und kritischer Wissensproduktion sein? Welche Rolle spielt Übersetzung darin?

Zur Person:

Cornelia Möser hat in Gender Studies und Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin studiert und der Université Paris 8 promoviert. Ab Oktober 2012 ist sie als Forscherin am Centre National de Recherche Scientifique (CNRS) in Paris tätig. Ihre Dissertation erscheint im Herbst 2012 bei den Editions des Archives Contemporaines.

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VerQueert Denken – Normalität(en) hinterfragen

Vortrag von Prof. Dr. María do Mar Castro Varela. Dieser fand statt am 22. Oktober 2009 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen.

Was ist eine „heterosexuelle Matrix“? Was ein „Raster der kulturellen Intelligibilität“? Queer Studies sind voraussetzungsvoll. Gleichzeitig stellen sie eine Perspektive dar, die nicht nur das Denken schult, sondern dasselbe eben nötigt anders zu denken.
Seit den 1990er Jahren etablierten sich Queer Studies nach und nach in der anglophonen Hochschullandschaft und auch im deutschsprachigen Raum sind sie nicht mehr aus den Gender Studies wegzudenken. Im Vortrag sollen einige der Herausforderungen queeren Denkens vorgestellt und darüber hinaus Queering als permanent-kritischer Prozess dargelegt und zur Diskussion gestellt werden. Ein Fokus wird dabei auf die Verbindung zur Postkolonialen Theorie gelegt. Womit deutlich gemacht werden soll, inwieweit Sexualitätsdiskurse internationale Macht- und  Herrschaftssysteme (etwa Imperialismus aber auch Migrationsregimes) etablieren halfen und bis heute stabilisieren. Und warum Rassismus und heteronormative Reproduktivität aufs engste miteinander verlinkt sind.

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Von Ausgehverboten zu Slutwalks: Gender, Sexualität und Körper in der Konstruktion und Politisierung von (urbanen) Räumen


Von „Damentoiletten“, After Shaves, Sonnencremes und gegenderten Schlafsackkomforttemperaturen oder: Was hat nonverbale Kommunikation mit Geschlecht zu tun?

Vortrag von Prof. Dr. Lann Hornsteidt. Dieser fand statt am 17. Februar 2011 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen.

Was haben Schlafsackkomforttemperaturen  mit nonverbaler Kommunikation und Gender zu tun? Und inwiefern sind Sonnencremes nonverbale Kommunikation? In dem Vortrag werde ich aufzeigen, wie Gendervorstellungen durch nonverbale Kommunikation – Bewegungen, Abstand, Gerüche, Blicke, Kleidung, Raumaufteilungen usw. – hergestellt werden: Gibt es zwei Geschlechter, die unterschiedlich hoch sprechen, schnell laufen und unterschiedliche Kleidungsvorlieben haben? Werden Gendereindeutigkeiten und -brüche über genau diese Kommunikationsformen hergestellt? Zusätzlich zu der Herleitung einer konstruktivistischen Sichtweise auf sowohl nonverbale Kommunikation als auch Gender werde ich deutlich machen, dass es Gender nicht losgelöst von anderen sozial relevanten Identitäts- und Wahrnehmungsformen gibt wie beispielsweise Race, Sexuality, Alter. Der Vortrag sensibilisiert für die Macht sprachlicher Handlungen und fordert Vorstellungen naturalisierter, monolithischer Zweigeschlechtlichkeit heraus.

Lann Hornscheidt ist seit 2006 Professorin für Gender Studies und skandinavistische Linguistik am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität Berlin. Zuvor war sie Professorin für Schwedische Sprache an der Hochschule Södertörn in Stockholm und Gastprofessorin in Örebro und Graz.

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Warum sich gesellschaftliche Verhältnisse nicht dekonstruieren lassen: Eine an Marx und Foucault orientierte Kritik an queer

Vortrag von Dr. Tove Soiland. Dieser fand statt am 25. Januar 2011 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Geschlechterverhältnisse lassen sich ebenso wenig dekonstruieren wie  Produktionsverhältnisse. Mit dieser These tritt der Vortrag einer allzu  simplen Vorstellung von der politischen Veränderbarkeit  gesellschaftlicher Verhältnisse entgegen, wie sie sich im Umfeld der  US-amerikanischen Cultural Studies entwickelt hat, in deren Tradition auch die Queer-Theorie  steht. In einem lediglich vermeintlichen Rekurs auf den französischen  Poststrukturalismus erscheinen gesellschaftliche Verhältnisse hier als  primär durch Bedeutung konstituiert und darum auch auf der Ebene der  Bedeutung verschiebbar. Produktionsverhältnisse und die dazugehörigen  Subjektivierungsweisen, so wird der Vortrag argumentieren, lassen sich  aber als Bedeutungsfestschreibungen nicht nur nicht beschreiben. Im  Rahmen dieser kulturalistischen Umdeutung des historischen Materialismus  kann auch nicht mehr verstanden werden, dass das – aus dieser  Perspektive subversiv erscheinende – Instabilwerden von Identitäten zu  den veränderten Produktionsbedingungen des spätkapitalistischen  Akkumulationsregimes gehört. Dieser „kultureller Materialismus“ wird  deshalb weder Marx Kritik der politischen Ökonomie noch Foucaults  Spätwerk, das als Adaption des Marxismus für spätkapitalistische  Gesellschaften gelesen werden kann, gerecht, sondern vergibt vielmehr  deren gesellschaftskritisches Potential.

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Was ist kritisch an der ‚kritischen Männlichkeitsforschung‘?

Vortrag von Philippe Greif. Dieser fand im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Der Verdacht, anti-feministische Forschung zu treiben, ist quasi ein Generalverdacht gegen männliche Wissenschaftsproduktion, der sich im Laufe feministischer (Wissenschafts-)Kritik als überaus berechtigt erwiesen hat. Doch in den 1970er Jahren entwickelten sich innerhalb des geschlechterpolitischen Diskurses die „Critical Men’s Studies“ als Bestandteil einer interdisziplinären kritischen Erforschung der Geschlechterverhältnisse. Wie steht es also um das Verhältnis von Männern, Männlichkeit und Wissenschaft? Was ist eigentlich kritisch an der „kritischen Männlichkeitsforschung“? Was sind ihre zentralen Ansprüche? Geht es dabei um Männer oder um Männlichkeit? Und was hat das eigentlich alles mit Feminismus zu tun? Oder wäre eine berechtigtere Frage: Hat das wirklich alles immer mit Feminismus zu tun? Der Vortrag gibt einen Einblick in die Entstehung u. Entwicklung „kritischer Männlichkeitsforschung“, kritisiert die aktuelle Schlagseite des Diskurses und diskutiert konzeptionelle Reflexionen und Erweiterungen.

Zur Person:

Philippe Greif studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Friedens- u. Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg und der Universidad de Buenos Aires und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg. Gegenwärtig promo- viert er im Fach Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu Männlichkeitskonstruktionen im Kontext urbaner Jugendaufstände in Frankreich.

Link zur Audiodatei (MP3, 24:16 Min, 22,2MB)

Wer sind ‚wir’ Kritiker_innen des Subjekts – und was können ‚wir’ wollen?

Vortrag von Dr. Hanna Meißner. Dieser fand statt am 30. Januar 2014 im Rahmen der Vorlesungsreihe que(e)r_einsteigen des Studierendenrates.

Das autonome, vernunftbegabte, selbst-identische Subjekt, das als Garant von Erkenntnis fungiert und selbstbestimmt über sein Handeln verfügt, befindet sich in einer anhaltenden Krise. Nicht zuletzt von feministischer (und) poststrukturalistischer Seite wurde dieser emphatische Subjektbegriff in Frage gestellt und als euro- und ethnozentrisches Phantasma kritisiert.
Was bedeutet aber eine solche Subjektkritik? Zielt sie darauf, dass es ein autonomes Subjekt nie gegeben hat? War es ein Irrtum oder eine ideologische Verblendung? Oder geht es darum, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse derart verändert haben, dass es nun (in der ‚Postmoderne’) kein autonomes Subjekt mehr gibt?
Und welche Konsequenzen hat die fundamentale Infragestellung des autonomen Subjekts für (queere) Politik?
Wie lassen sich Kritik- und Handlungsfähigkeit, wie lässt sich Verantwortung denken, ohne dass ein vorgängiges, intentionales Subjekt vorausgesetzt wird? Wer kritisiert dieses Subjekt eigentlich überhaupt – und von welcher Position aus?
Um diese Fragenkomplexe anzugehen, erscheint es sinnvoll, Judith Butlers Hinweis aufzunehmen, dass etwas (fundamental) in Frage zu stellen nicht heißen muss es als Irrtum oder als unwirklich zu verwerfen: Das (autonome) Subjekt ist zugleich phantasmatische Gestalt und wirkmächtige Realität.
Anhand der Arbeiten von Butler, Foucault und Marx werden zunächst die Bedingungen einer historischen Konstellation skizziert und in der Autonomie (als Verleugnung fundamentaler Abhängigkeiten) eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit dargestellt. Anschließend soll darauf eingegangen werden, inwiefern eine Kritik, die an der Gewaltsamkeit dieser Verleugnung ansetzt, eine immanente Kritik ist; eine Kritik, die konstitutiv in die Bedingungen verhaftet ist, gegen die sie sich richtet.
Gayatri Spivak und Donna Haraway aufgreifend ließe sich sagen, dass die Figur des Subjekts etwas ist, was ‚wir’ nicht begehren können – und dennoch kritisieren müssen.

Zur Person:

Hanna Meißner ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter_in am Zentrum für Interdisziplinäre  Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) an der TU Berlin. Sie hat an der FU Berlin Soziologie, Politikwissenschaften, Psychologie und Niederlandistik studiert und wurde an der HU Berlin promoviert.

Link zur Audio-Datei    (Soundcloud, 43 min)

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