Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ringveranstaltung Diversity@University

Diversity@University im Sommersemester 2021

Diversity@University im Sommersemester 2021

Programm Sommersemester 2021

19. April 2021, 18–20 Uhr
Jochen König: Verunsichert, vergiftet, verloren? Über kritische und zu kritisierende Männlichkeit(en)

Das Männerbild ist im Wandel. An mancher Stelle vollzieht sich der Wandel etwas schneller, an anderen Stellen tun sich die Männer noch etwas schwerer. Väter, die wie selbstverständlich ihr Kind im Tragetuch durch die Stadt tragen, stehen dem Bedürfnis anderer nach Bosstransformation und „Re-Maskulinisierung“ gegenüber. Immer wieder ist von einer Verunsicherung der Männer die Rede. Und gleichzeitig haben #metoo, Christchurch oder Halle in letzter Zeit die Dringlichkeit einer Diskussion über Männlichkeit noch einmal deutlich vor Augen geführt. Wie schränken uns Vorstellungen über Männlichkeit ein und wie würden wir vielleicht eigentlich viel lieber leben wollen? Und was können wir tun? Müssen wir Männlichkeit einfach nur „entgiften“ und dann ist alles gut? Und wie geht das überhaupt – ein bisschen toxische Männlichkeit kritisieren, regelmäßig die Spülmaschine ausräumen, zwei Monate Elternzeit nehmen, auch mal einen Tweet von einer Frau retweeten, andere Männer umarmen und sich Montagabend einen Vortrag über Männlichkeit(en) anhören? Oder ist Männlichkeit etwas, das gar nicht zu retten ist?
Im Vortrag geht es um Jochen Königs Auseinandersetzung mit Geschlecht, Männlichkeit, Care-Arbeit, Gefühlen und Sexualität und über Männlichkeit als grundsätzlichem Widerspruch zum schönen Leben für alle.

Jochen König ist Autor und Blogger. Er lebt mit seinen beiden Töchtern in Berlin und schreibt über seine Familie, über Familien im Allgemeinen, über Geschlechter und Männlichkeit, über Liebe und Sex, über Nachmittage auf dem Spielplatz, übers Scheitern und über Überforderung, über Väter und über die Aufteilung von Care-Arbeit. 2013 erschien sein Buch „Fritzi und ich. Von der Angst eines Vaters, keine gute Mutter zu sein“ und 2015 sein zweites Buch „Mama, Papa, Kind? Von Singles, Co-Eltern und anderen Familien“.

Webseite von Jochen König   

Interview mit Jochen König   

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt    statt.

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03. Mai 2021, 18–20 Uhr:
Katharina Warda: Unsichtbar in der deutschen Hochkultur. (Self-)Empowerment an der Uni zwischen strukturellem Rassismus und Klassismus

Betroffene von Rassismus und/oder Klassismus haben es schwerer einen höheren Bildungsweg einzuschlagen und sind folglich an Universitäten seltener vertreten. Gleichzeitig sind sie aber auch in Themen, Perspektiven und Expertisen der universitär gelehrten Inhalte weniger bis kaum repräsentiert. Nicht nur in den Geisteswissenschaften, die sich vor allem mit der Vermittlung der sogenannten Hochkultur unserer Gesellschaft beschäftigen und dadurch ihren Status weiter festigen, stellt das Betroffene vor die zusätzliche Belastung der inhaltlichen Unsichtbarkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung. Darüberhinaus stehen sie vor der Herausforderung, diese Inhalte und deren instituinellen Machtstrukturen sowie die damit einhergehende Diskriminierung weiter reproduzieren zu müssen, um selbst erfolgreiche Bildungsabschlüsse zu erlangen. Was bedeutet das aus Betroffenensicht? Wie können Strategien des Widerstands und des (Self-)Empowerments aussehen?

Katharina Warda ist Soziologin und Germanistin. Als Fellow der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien promoviert sie in Berlin zur Widerständigkeit biografischer Erzählungen in Tagebuch-Blogs. Daneben arbeitet sie als freie Autorin mit Schwerpunktthemen Ostdeutschland, marginalisierte Identitäten, Rassismus, Klassimus und Punk. Seit 2021 ist sie Beiratsmitglied von »Kein Schlussstrich!«, einem bundesweiten Theaterprojekt zum NSU-Komplex. Aktuell arbeitet sie an einem kritischen Podcast zum Osten und an ihrem Projekt »Dunkeldeutschland«, das über biografische Geschichten ihrer ehemaligen Punk-Clique die Wendezeit ihrer Heimatstadt von den sozialen Rändern aus erzählt.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Mobilen Opferberatung    statt.

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31. Mai – 1. Juni 2021:
Film: Picture a Scientist

Regie: Ian Cheney/Sharon Shattuck
USA, 2020
Sprache: Englisch (OmU)

Wer macht eigentlich Wissenschaft? Und weshalb ist es in unserer Vorstellung immer noch „der Wissenschaftler“? In Picture a Scientist nehmen sich eine weiße Biologin, eine Schwarze Chemikerin und eine weiße Geologin dieser Fragen an und führen das Publikum auf eine Reise durch die Erfahrungen ihrer akademischen Laufbahn – als Frauen in der Wissenschaft. In ihren Karrieren sind sie von Beginn an Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt. Die Wissenschaftlerinnen müssen einen stetigen Kampf um Anerkennung, Respekt und Gleichberechtigung führen.

Der Dokumentarfilm gibt aber auch Hoffnung, denn er erzählt eine Geschichte von Stärke und Solidarität, von mutigen Wissenschaftlerinnen, die sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr setzen und einen weltweiten Diskurs des Wandels und der Gleichberechtigung ins Rollen bringen. In futuristischen Laboratorien und auf spektakulären Schauplätzen der Feldarbeit macht er deutlich, von welch unschätzbarem Wert die Arbeit von Forscherinnen ist und wie sich die Wissenschaft durch systematische und strukturelle Umwälzungen zum Besseren bewegen lässt – für eine Welt, in der Mädchen ihren Traum vom Forschen verwirklichen können, für eine Welt voller Biologinnen, Astronautinnen, Chemikerinnen und Mathematikerinnen.

[ Trailer & mehr ]   

Die Teilnahme am Film ist nur nach persönlicher Anmeldung und nur für Mitglieder und Angehörige der MLU möglich. Die Teilnahme ist auf maximal 100 Personen beschränkt. Die verbindliche Anmeldung erfolgt bis zum 14. Mai 2021 via Mail an

Jede angemeldete Person erhält einen personalisierten Link, um den Film im Vorfeld der Diskussion anzuschauen. Dieser Link ist 48 h lang – von Sonntag, dem 30.5.2021, 12:00 bis Dienstag, den 1. Juni 2021 12:00 – gültig, sodass frei gewählt werden kann, wann der Film innerhalb dieses Zeitraumes geschaut wird.

Da pro Link Kosten für die Veranstalterinnen anfallen, bitten wir Sie, sich nur für den Film anzumelden, wenn Sie diesen auch innerhalb der 48h anschauen können. Sollten Sie sich angemeldet haben und doch nicht können, melden Sie sich bitte rechtzeitig wieder ab.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit gender*bildet und dem Gleichstellungsbüro statt.


02. Juni 2021, 17–19 Uhr:
Podiumsgespräch: Picture a Scientist@MLU. Diskriminierungserfahrungen & Empowerment von Wissenschaftlerinnen in MINT-Fächern

Als gesellschaftliche Institutionen sind an Hochschulen und Universitäten sexistische, rassistische und sexualisierte Diskriminierung und Gewalt genauso ein Thema wie in anderen Bereichen. Ihre machtvolle Position und ihr Ruf als ‚Enlightened Institution‘ machen es häufig besonders schwer, Fälle von Diskriminierung und Gewalt zu erkennen, zu benennen und als strukturelle Phänomene zu analysieren. Der Film Picture a Scientist nimmt eine solche Strukturanalyse – den berühmten MIT-Report ‚A Study on the Status of Women Faculty in Science at MIT‘ (1999) auf eindringliche Weise zum Anlass, Fälle von sexistischer, sexualisierter und rassistischer Diskriminierung und Gewalt in MINT-Fächern an US-amerikanischen Universitäten aufzuzeigen und zugleich mit Formen der Solidarität und des Empowerments Hoffnung und Mut zu machen.

Im Jahr 2020 führte die MLU eine Themenwoche unter dem Titel #MeToo in der Wissenschaft?! durch. Unsere Veranstaltung knüpft hier an und richtet einen besonderen Fokus auf MINT-Fächer. In einer offenen Diskussionsrunde kommen Diskutant*innen aus den Geistes- und Naturwissenschaftlichen Fakultäten der MLU miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch. Ausgehend von dem Film und eigenen Erfahrungen im Zuge ihrer Tätigkeiten an der Universität, nehmen sie Stellung zu fachspezifischen, intersektionalen Diskriminierungs- und Gewaltstrukturen und berichten von erfahrenen und beobachteten Solidarisierungen, Strategien, Handlungsmöglichkeiten und Protesten.

Die Veranstaltung richtet sich an Studierende und Mitarbeiter*innen der MLU. Sie eröffnet einen Raum, eigene Erfahrungen, strukturelle Diskriminierungen im Wissenschaftssystem, aber auch Handlungs- und Veränderungssoptionen zu benennen. Dabei werden wir die Lehre als die Schnittstelle, an der Studierende und Lehrende der Universität zusammenkommen, besonders in den Fokus nehmen.

Die Teilnahme an der Diskussion ist nur nach persönlicher Anmeldung und nur für Mitglieder und Angehörige der MLU möglich. Die Diskussion wird nicht aufgezeichnet und von erfahrenen Moderator*innen begleitet. Im Vorfeld wird ein Teilnahmevorbehalt bekanntgegeben und ggf. vom Hausrecht Gebrauch gemacht.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit gender*bildet und dem Gleichstellungsbüro statt.


Anmeldung

Die Veranstaltungen finden online statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Teilnahme an den beiden Vorträgen ist ohne Voraussetzungen für alle Interessieren möglich. Die Teilnahme am Film und dem Podiumsgespräch ist nur für Studierende und Beschäftigte der MLU möglich. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Studierende der MLU melden sich am besten via Stud.ip an. Andere Interessierte melden sich bitte per Mail an an.

Ringvorlesung Diversity@University

Ringvorlesung Diversity@University

Programm Wintersemester 2020/21

02. November 2020, 18–20 Uhr
Prof.* Dr.* RyLee Hühne:
„Computer sagt nein.“ Diskriminierung durch Informatik & wie IT-Systeme diskriminierungssensibler gestaltet werden können

Beispiele gibt es viele: Ein Recruiting-Tool soll ein Unternehmen darin unterstützen, geeignete Bewerber*innen auszusuchen, und schlägt auf der Basis von Machine Learning systematisch bevorzugt Männer als geeignete Kandidaten vor. Ein Algorithmus soll Richter*innen in den USA bei der Urteilsfindung helfen und schreibt Menschen aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe ein erhöhtes Risiko zu, zukünftig Verbrechen zu begehen. Oder die Webanwendung für zulassungsbeschränkte Studiengänge, die als Geschlechtseintrag lediglich Herr/Frau zulässt und somit nicht-binäre Personen von der Bewerbung ausschließt (hochschulstart.de).
Software kann Diskriminierung reproduzieren, normalisieren und verstärken. Es scheint, die IT-Branche komme in Sachen Diversity einfach nicht voran. In der Regel ist jedoch nicht die Technik das Problem, sondern fehlende Diskriminierungssensibilität in den Köpfen: Das passiert bei Auswahl, Beschaffung und Einsatz von IT. Und auch schon in der Entwicklungsphase, wenn die Entwickelnden ihre Vorurteile (unbewusst) in die IT-Systeme einschreiben.
Daraus ergeben sich viele Fragen, auf die im Vortrag eingegangen wird: Welche sozialen Prozesse führen dazu, dass bestimmte Dinge entwickelt werden und andere nicht? Inwiefern kann Digitalisierung als Gate Keeper fungieren und Personen Teilhabe verwehren? Was müssen wir alle (Informatiker*innen und Nicht-Informatiker*innen) tun, damit IT diskriminierungssensibel eingesetzt werden kann? Dabei wird insbesondere auf das Thema Geschlechtervielfalt an Hochschulen eingegangen und was dies für IT bedeutet.

Prof.* Dr.* RyLee Hühne hat an der Fachhochschule Südwestfalen im Fachbereich Informatik und Naturwissenschaften eine Professur inne und ist in zahlreichen Projekten zu Geschlechtervielfalt vernetzt: bukof-Kommission für queere* Gleichstellungspolitik an Hochschulen, netzforma* e.V. – Verein für feministische Netzpolitik, AG trans*emanzipatorische Hochschulpolitik, AG Trans* Inter* Studies, Aktion Standesamt 2018, Netzwerk „Gender und Diversity in der Lehre“.


23. November 2020, 18-20 Uhr
Michael Wiens:
Out im Office?! Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz

Vortrag zur Betrachtung der derzeitigen Arbeitssituation von LSBT*Q+ Beschäftigten in Deutschland anhand der Ergebnisse der Studie „Out im Office?!“. Im Zentrum des Vortrags steht eine ausführliche Einführung in die Ergebnisse der Studie „Out im Office?!“ zur Betrachtung der Arbeitssituation von LSBT*-Beschäftigten in Deutschland.
Dabei werden folgende Themenfelder in den Blick genommen:

  • Vergleich der Arbeitssituation lesbischer und schwuler Beschäftigter über die Dekaden 1997, 2007 und 2017
  • Vergleich der Arbeitssituation lesbischer und schwuler Beschäftigter mit der Situation bi- und/oder pansexueller Arbeitnehmer_innen und  trans* und/oder nicht-binärer Beschäftigter
  • Umgang mit der sexuellen Identität bzw. der Geschlechtsidentität am Arbeitsplatz inklusive der entsprechenden Auswirkungen
  • Diskriminierungserfahrungen (AGG-relevante, strafrechtlich relevante etc.)
  • Zusammenhänge eines offenen Umgangs u.a. mit Diversity Management, Arbeitszufriedenheit und psychosomatischen Beschwerden
  • Kompetenzen von LSBT*Q+ Personen im Kontext von Arbeit und Wirtschaft
  • Praktische Implikationen und Empfehlungen aus der empirischen Forschung

Im Vortrag sollen Antworten auf diese und weitere Fragen gegeben und reflektiert werden, um die jetzige Arbeitssituation von LSBT*Q+ Personen sowie wesentliche Veränderungen innerhalb der letzten 20 Jahre darzustellen. Anschließend soll eine Reflexion und gemeinsame Diskussion der Ergebnisse für die eigene Tätigkeit in den jeweiligen Bereichen  stattfinden.

Michael Wiens ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das „IDA | Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung“ in Köln beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Kommunikationspsychologie, der psychologischen Betrachtung von Neuen Medien, Analyse von Gruppenprozessen im Rahmen sozialer Beziehungen sowie Schnittstellen von Diversity und persönlichkeitspsychologischen Fragen. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Gender- und Queertheorien.


30. November 2020, 18-20 Uhr
Maryam Al-Windi & Esther van Lück:
Impulse für Kritisches Weißsein: Wie weiße Menschen ihre Privilegien erkennen und Verantwortung für antirassistisches Verhalten übernehmen können

Was ist eigentlich genau Rassismus? Und welche Rolle spielt dabei Weißsein? Welche Privilegien haben weiße Menschen? Und warum ist die Beantwortung all dieser Fragen wichtig für rassismuskritisches Handeln? Der Vortrag bietet einen Einstieg ins Thema Kritisches Weißsein und richtet sich an weiße Menschen, die sich selbstreflexiv mit Rassismus auseinandersetzen möchten und antirassistische Handlungsmöglichkeiten lernen möchten.

Maryam Al-Windi ist Gründungsmitglied der Kieler Hochschulgruppe EmBIPoC-Empowerment von Black, Indigenous und People of Color und Masterstudentin der Soziologie an der Universität Bonn.

Esther van Lück ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.


07. Dezember 2020, 18-20 Uhr
Dami Charf:
Wann ist ein Übergriff ein Übergriff?

Sexualität kann sehr unterschiedlich gelebt werden. In der Regel wird  sie als etwas sehr Privates und Intimes empfunden. Sie ist etwas, das  sehr schön und lustvoll ist und zugleich ein Akt des Vertrauens, der  verletzlich macht. Wird von sexuellen Übergriffen gesprochen, haben viele Menschen nur Gedanken an strafrechtlich relevante Handlungen wie Vergewaltigungen im Kopf und distanzieren sich von dem Wort und seinen Implikationen: „So etwas ist furchtbar und mir noch nicht passiert.“ Bei näherer Betrachtung jedoch kennt fast jede Frau (und auch viel mehr Männer als sie es sich eingestehen mögen) das Gefühl von sexualisierter Übergriffigkeit in unzähligen Varianten: Die unerwünschte Hand auf deinem Bein. Das „Nachgeben“, wenn dein*e Partner*in Sex haben möchte, du selbst aber eigentlich gerade keine Lust hast. Das eindringliche von Kopf bis Fuß gemustert werden durch Unbekannte in der Bahn. Manchmal kannst du gar nicht richtig benennen, was es ist, aber die Atmosphäre im  Raum wird aufgrund der Anwesenheit einer anderen Person merkwürdig unangenehm und du beginnst dich unwohl zu fühlen, obwohl eigentlich noch gar keine übergriffige Handlung passiert ist. Es gibt viele Beispiele, die unser Unbehagen auslösen und die wir gern abtun: „So schlimm war das doch nicht.“ „Eigentlich ist doch gar nichts passiert.“
In ihrem Vortrag geht Dami Charf den Auswirkungen von diesen vielen scheinbar nicht so schlimmen Übergriffen nach und erforscht die Zwischenbereiche und Graustufen: Wo beginnt ein Übergriff? Was passiert bei einem Übergriff? Wann wird Sexualität zu einem Mittel der Machtausübung? Welche Auswirkungen hat das? Was kann ich tun, wenn ich eine Situation als übergriffig erlebe? Und was kann ich tun, um sicherzugehen, auf andere nicht übergriffig zu wirken? Wie kann ich Grenzen achtsam begegnen – meinen eigenen und denen anderer?

Du hast Fragen zum Thema? Wunderbar! Sende sie bis zum 31. Oktober 2020  an und Dami Charf wird deine Frage im Vortrag aufgreifen. Deine Frage wird vertraulich behandelt und  dein Name nicht genannt.

Dami Charf ist Diplom-Sozialpädagogin, soziale Verhaltenswissenschaftlerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und  arbeitet als Schwerpunkt als Traumatherapeutin. Sie ist Autorin zweier Bestseller. Seit über 20 Jahren arbeitet sie im Feld der körperorientierten Psychotherapie und ist seit über 30 Jahren als Lehrende in Seminaren und Vorträgen tätig. Sie schrieb bereits ihre Diplomarbeit über sexualisierte Gewalt, entwickelte die Methode der Somatischen Emotionalen Integration und bietet u.a. Online-Selbsthilfekurse an.


14. Dezember 2020, 18-20 Uhr
Naemi Eifler:
Antisemitismus: aktuelle Erscheinungsformen und Impulse für Handlungsoptionen

Antisemitismus ist ein aktuelles und gesamtgesellschaftliches Problem und Ausdruck struktureller Diskriminierung. Dies geht nicht nur aus aktuellen Studien wie bspw. Antisemitismus an Schulen (Bernstein 2020) oder Antisemitismus im Netz (Schwarz-Friesel 2019) hervor, sondern zeigt sich auch an den sogenannten Corona-Demos oder am rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge und den Kiez-Döner in Halle.

Voraussetzung, um gegen Antisemitismus zu handeln ist es, Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen und Verwobenheiten mit anderen Ideologien der Ungleichwertigkeit wie bspw. Rassismus und Antifeminismus zu erkennen. Entsprechende Sensibilisierungen und die Entwicklung einer antisemitismuskritischen Haltung stehen im Mittelpunkt des Vortrags. Darüber hinaus werden erste Impulse für die Entwicklung von Handlungsoptionen gesetzt, um sich mit Juden_Jüdinnen zu solidarisieren und Antisemitismus unterbrechen zu können.

Naemi Eifler ist Sozialarbeiter*in (M.A.), Social Justice und Diversity Trainer*in und Ausbildner*in sowie Lehrbeauftragte. Naemi Eiflers Fokus liegt auf einem (Be)Denken und Bearbeiten Struktureller Diskriminierungen in intersektionaler Perspektive, insbesondere mit den Schwerpunkten Antisemitismus, Klassismus, und Sexismus/Queerfeindlichkeit. Auseinandersetzungen mit Entstehungsprozessen und Effekten diskriminierender Politiken verbindet Naemi Eifler u. a. mit berufsethischen Fragestellungen sowie der Entwicklung diskriminierungskritischer Handlungsstrategien für Theorie und Praxis Sozialer Arbeit. Aktuell ist Naemi Eifler wissenschaftliche Mitarbeiter*in der Alice Salomon Hochschule Berlin und forscht für das Promotionsvorhaben zu antisemitismusimplizierenden Dynamiken von Hate Speech im Queerfeminismus. Naemi Eifler ist als Predoc gefördert über das Hochschulprogramms "DiGiTal - Berliner Hochschulprogramm für Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen". Das Programm wird vom Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (BCP) finanziert.


Anmeldung

Die Veranstaltungen finden online statt. Die Teilnahme ist kostenfrei ohne Voraussetzungen für alle Interessieren möglich.

Studierende der MLU melden sich am besten via Stud.ip an. Andere Interessierte melden sich bitte per Mail an an.

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